Vom Mond

Dienstag, 19. Mai 2009

Vom Mond

 

Des Abends auf einer Radeltour

fragst du nach Oma

sie starb einige Wochen zuvor:

„Wo ist sie denn jetzt?“

möchtest du gerne wissen,

„Weit weg und doch nah.“

Ich möchte es nicht erklären müssen.

 

Du schaust auf den Mond,

schon am Abendhimmel –

vielleicht bleib ich verschont,

heute vom Fragengewimmel.

Du winkst eifrig ins Licht,

doch hälst bald inne,

denn du weiβt ja nicht,

ob Oma, Goldfisch und Hund

sich vertragen,

ob sie wohl auch genug zum Essen haben.

„Sie haben es schon schön dort,

sind bestimmt alle glücklich,

schau genau hin,“ sag ich

und du lächlest hinauf –

nun ganz zuversichtlich.

 

A.B. 10.05.09

 

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„Ist das schlimm...?“

Ist das schlimm...?“

 

fragst du mich

heute schon

zum Zeihundertsiebenundachzigsten Mal.

Ich sage

„Nein, das macht nichts!“

und du spielst weiter

mit der Puppe –

sie hat keine Kleider an.

 

„Muβ ich Sterben?“

kommt dann wenig später dran;

du hast am Filzstift geleckt

und bist sicher

hier fängt die tödliche Krankheit an.

 

Ich umarme dich lange

versichernd, schmunzelnd

und erinnere mich noch gut,

denn mit sieben Jahren

war auch ich auf der Hut:

kindliche Sorglosigkeit

trat dann zur Seite

die Unruh wuchs stetig

doch das Probieren ging weiter...

 

A.B. 10.05.09

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in Paris

in Paris

 

zu erwachen

wenn Glocken

vom Montmartre

nah an meiner Seele

läuten

und verspielte Zweifel

rütteln

an meiner Geschichte

 

zu laut zum Erzählen

zu leise zum Vergessen

 

beginnen

Erinnerungen

an die Reise

durchs Land unserer Gefühle

auf Spiegelwegen

zu Fuβ

noch ohne Gepäck

zu weit weg

vom Heute

gepflasterter Straβen

 

A.B. 09.+10.05.09

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Damals und Heute

Damals und Heute

 

Als du mir die Liebe ins Herz schriebst

merkte ich es nicht.

 

Auf meine Haut maltest du Worte,

deine Augen lächelten Hoffnung,

deine Hände in Ehrfurcht zögernd.

 

Ich versank im Rummel meiner Gefühle und

vergaß  mich bei dir -

einfach so.

 

Als du gingst

verblieb

kristallen im Mondlicht

das Salz meiner verlassenen Tränen.

 

Und heute

in meiner Nächte dunkel Revier,

schreit meine Seele allein zu dir.

 

Damals fragte ich mich, ob Leute wie Du

Gedichte wie dieses jemals lesen.

Heute weiβ ich, dass Du es tust.

 

A.B. 09. + 10.05.09

 

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Meteoritenschwarm

Meteoritenschwarm

 

Gedanken

an dich

tanzen

mit sich selbst

verwirbelt

 

im Schwindel

peitscht

mein Haar

verklebt von

Tränen

um Augen

verzweifelt suchend

in den deinen

 

schleudernd

falsche Ringe

von Fingern

zu ertasten

die Tiefe

deines Schlüsselbeines -

dort zu vergraben

unser Geheimnis -

gereist bis zum Herzen

verglüht

erst wenn

Sternschnuppenschauer

verklingen

 

A.B. 09.05.09

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Gespräch

Gespräch

 

Im Gegenüber

als ich lächele,

halten deine Hände

sich zurück

 

Du fragst,

ob ich nochmal Kinder haben möchte.

Ich denke

an Deinen Sportwagen mit Notsitzen.

 

A.B. Paris 09.05.09

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Fluggedanken

Fluggedanken

 

unter meinen Füβen

wimmeln Menschen

in rot-braunen Punkten

drumherum Linien

grün-beige Quadrate

im Schatten der Wolkentupfer

kochen sie Kaffee

derweil

esse ich einen Apfel

und frage mich

ob man noch im Himmel stirbt

beim Flugzeugabsturz

 

A.B. 09.05.09

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